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Sitzt in Stille

VisionsSuche, Frau, 33 J.

Ich wollte eigentlich einen detaillierten Bericht schreiben, über die Erlebnisse und Erfahrungen in dieser wunderbaren Woche ... Was zurück bleibt, könnte eine Liebeserklärung an die Natur sein.

Wie kann ich die Achtsamkeit und Zärtlichkeit beschreiben, die ich vom Berg mit hierher gebracht habe? Wenn ich die Augen schließe und mich an den Platz setze, den mir die Naturgeister für 3 Tage überlassen haben, spüre ich sofort die Verbundenheit. Ich erinnere mich an das sanfte Wiegen der Gräser. Das freundliche Plätschern des Bachs klingt mir tröstend in den Ohren. Ich fühle mich vom Wind liebkost und rieche den würzigen Geruch der Alpenpflanzen. Meine Beziehung zur Natur hat sich durch diese intensive Begegnung grundlegend transformiert in eine respektvolle Freundschaft, ganz im Bewusstsein, dass jeder Stein, jede Pflanze, der Wind , das Wasser, Sonne, Mond und Erde uns wohlgesinnt begleiten.

Ich bin in den Wochen danach oft gefragt worden, was mir diese Zeit in den Bergen gebracht hat. Stille, Kraft und das tiefe Vertrauen in den Fluss des Lebens. Ich weiß nun, dass für jeden Menschen genug Liebe da ist. Nenne ich es Urvertrauen? Das Gefühl, wonach alle Menschen suchen? Ich nehme viele wunderschöne Details in meiner Umgebung wahr, über die ich früher hinweggesehen habe. Das Glitzern des Wassers in der Sonne, wenn ich am See sitze. Die kühle Frische des Regens. Die Wärme der Erde, die mich aufnimmt. Der Wind, der mich streichelt. Ich höre das Sprechen des Feuers, das mit seiner Hitze alles transformiert.

Ich habe Freunde gefunden, auf die ich mich verlassen kann. Die meine Hilfe brauchen, genau wie ich die ihre ...
»Wherever you walk, you give a massage to your Mother Earth.« Dieser Satz eines Indianers drückt genau das Bewusstsein aus, welches ich für mich spüre.
Die Vorstellung, alleine und ohne Essen 3 Tage und Nächte draußen zu verbringen, löst bei den meisten Menschen Angst und Widerstand aus. Auch meine Hauptmotivation war, diese Ängste zu überwinden. In den 3 Tagen und Nächten, die ich alleine war, habe ich begriffen, dass wir zwischen Bäumen und Pflanzen, Felsen und Flüssen niemals alleine sind.

Wir hatten extremes Wetter. Von der Sommerhitze des Tages, über Nachtfrost und Regen, bis zu einem Berggewitter mit Hagel hat uns die Natur ein einmaliges Schauspiel ihrer Kraft geboten. Mitten zwischen diesen Naturgewalten saß ich da, ohne Angst zu verspüren. Bei dem sehr starken Gewitter machte ich sogar eine wunderbare Erfahrung. Der begleitende Sturm lockerte meine Plane soweit, dass sie knapp über mir hing, während ich im Schlafsack lag. Als dann der Hagel fiel, wurde ich vom ihm massiert.
Es geschieht nicht immer das, was wir wollen ... manchmal eben das, was gut für uns ist.

Sitzt in Stille

Meine VisionsSuche Erfahrungen nach 9 Monaten, 27.3.1999:

Ich habe den intensiven Bezug zu »meinem Kraftplatz« nicht verloren. Noch immer sehe ich das Bild des Augenblicks in mir. Das dort gewonnenen Vertrauen in die Natur und in mich selbst ist mir geblieben und stärkt mich mehr denn je. Ich weiß, nach all den außergewöhnlichen Naturerlebnissen in den Tagen allen, dass ich es auch hier im Alltag alleine schaffe. Wenn die Kraft aus ist, suche ich meinen Kraftplatz und die Pflanzen dort auf und knüpfe so die Verbindung zur Erde und deren unerschöpflichen Kraftquellen. Die Ruhe, die ich in der Zeit allein in der Natur gefunden habe, hat mir durch die turbulenten Monate des vergangene Jahres geholfen. Ich danke Dir und der Erde für diese Erfahrungen.

Sitzt in Stille

»Wherever you walk, you give a massage to your Earth Mother.« 
Semu Huaute Chumash