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Für Erwachsene

Natur-Klausur für Erwachsene

Diese Wildnis-Retreats für Frauen, Männer oder gemischte Gruppen eröffnen mit 13 bzw.14 Tagen die Möglichkeit für intensivste Selbsterfahrung. Weitere Infos auf den jeweiligen Seiten.

Über ihre VisionsSuche-Nacht berichtet E.(50 Jahre)

..., versuche ich zuerst trockenes Gras und dürre Alpenrosenzweiglein zu entzünden. Kurzlebige kleine Flämmchen tanzen über meinem Feueraltar. Hätte ich doch bloß meine Kerze mitgenommen! Ich knie nieder und blase wie wild. Mir wird schwindlig und meine Glieder schmerzen. Abwechslungsweise puste und blase ich in meine armselige Feuerstelle und auf meine verbrannten Fingerspitzen. Vermaledeites Feuerzeug! Oh, Ihr Götter des Feuers, seid mir hold, ich bitte Euch! Vielleicht muß ich sterben ohne das letzte tröstliche Licht des Feuers!
Durch all mein Bemühen und mein Flehen um Unterstützung der Elementarwesen und der Devas tanzen nun endlich kleine Flammen über wärmender Glut ... (es hatte bis kurz zuvor fast 30 Stunden kräftig geregnet, alles war feucht geworden.) Ich durchwandere in Gedanken mein ganzes Leben, alle wichtigen Stationen; alle Menschen, die mir nahe standen und stehen und alles, was mir derzeit noch wichtig erscheint, wo ich noch anhafte. Auf einmal ist mir, als würde mein ganzes Da-Sein aus jeder Zelle, aus meinem physischen, meinem Astral -und Mentalkörper in das Feuer des Sterbens, dem Element der Transformation fließen ... Ich bete, meditiere: oh, mein Herz, wirst Du nun gleich stillstehen? Plötzlich meldet sich die weiße Feder neben dem Feueraltar, Symbol einer Vision, empfangen vor einigen Monaten. Ich übergebe sie dem Feuer, lasse sie los. Blitzschnell und fast lautlos ist sie aufgelöst. Verschwunden! Ich meine den Tod aller Tode zu sterben ... Hey oh, hey hey oh! In der sternklaren Nacht verliert sich mein Singen.
... Es ist die längste Nacht meines Lebens. Ich kämpfe gegen Erschöpfung und Einschlafen. Ich trommle mit behandschuhten Fäusten auf meine Knie. Verzweiflung! Über mir wandern die Sterne, sie haben es nicht eilig. Da und dort eine Sternschnuppe, die ich teilnahmslos betrachte. Jetzt sind es noch zwei Glutfunken, die sterbend tanzen, auslöschen und noch einmal aufglühen, zwei kleine widerspenstige Lichter, die um ihr Leben kämpfen ... wird Dämmerung je wieder hervortreten? Wird es je einen neuen  Tag geben? Meine Seele schwebt irgendwo zwischen Himmel und Erde. Wer ist diese Gestalt, die mit angezogenen Knien im Steinkreis sitzt vor erloschenem Feuer? Keine Leuchtschrift am Himmel, die mir sagt, wie es weitergehen soll. Kein Zeichen. Nicht die leiseste Botschaft, kein Windhauch; nur: STILLE. ... Ein zarter  Lichtstreifen im Osten verkündet den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Bin ich gestorben um einer Vision willen, oder bin ich gestorben, um den Tod zu erfahren? Ich versuche aufzustehen, singe den Heiligen Laut OM. Allmählich erscheint Monte Rosa in goldenem Morgenlicht. Wie machtvoll feierst Du Deine Auferstehung nach dem langen Regen !! Ich greife nach dem Stein des Südens, der Kraft des Wassers, der Kraft des Lebens, des Flusses und der Leichtigkeit ... und tue meinen ersten Schritt hinaus aus dem magischen Kreis. Wie in Trance schaffe ich meine Habseligkeiten zum Schlafplatz. Eine Ewigkeit dauert es, bis ich die Steine des heiligen Kreises zurückgetragen habe in den Garten der wilden Natur ... Ich danke Großmutter Erde für diesen zauberhaften Platz. Ich verabschiede mich von allen Wesen und danke für ihr Dasein. Ein großer Rucksack mit kleiner Gestalt torkelt nun talwärts, durch Dickicht von Blaubeer- und Wacholdersträuchern, dazwischen unsicherer Transfer von Stein zu Stein. Werde ich`s schaffen bis hinunter zum Basislager? Die offene Wiese der Alpe bietet ein friedvolles Bild. Einige der anderen Gruppenmitglieder sind schon da, Schlafsäcke und Kleider sind über große Felsen und Büsche ausgebreitet zum Trocknen. Noch letzte Schritte sind zu vollbringen. Ich sinke hin mit Rucksack und weine haltlos.
Aus dem Kamin der gegenüberliegenden Hütte steigt harziger Rauch auf. Nach kurzer Verschnaufpause zieht mich dieser Duft an. Shanti Mook, der »Waschbär, die Hebamme«, begrüßt mich mit den Worten: »sei willkommen bei den Menschen.« Seine Umarmung fühlt sich unendlich gut an. Heimkehr, Versöhnung, Frieden, tiefes Glück.   
STILLE .....